Welche Organe müssen bei einer kompletten Entfernung der Blase mitentnommen werden?
Beim Mann: Blase, Prostata, Samenblasen, evtl. Erhalt der Erektionsnervenbahnen, evtl. auch Entfernung der Harnröhre, Beckenlymphknoten.
Bei der Frau: Blase, Gebärmutter, Eierstöcke, Harnröhre, vordere Scheidenwand, Beckenlymphknoten.
Was sind dabei die häufigsten Operationstechniken?
- Nicht kontinente Harnableitung: z.B. Ileum-Conduit
Bei dieser Operation werden ca. 20 cm Dünndarm am tiefsten Punkt des Bauchraumes ausgeschaltet. Die Harnleiter werden an einem Ende eingepflanzt. Am anderen Ende wird der Darm durch die Bauchwand ausgeleitet. Es handelt sich dabei um einen künstlichen Blasenausgang mit einem aufklebbaren Urinbeutel (nasses Stoma). Es ist eine technisch einfache Operation mit geringen Langzeitproblemen.
- Kontinente Harnableitungen: z.B. Ileum-Neoblase oder katheterisierbarer Pouch
Bei dieser Operation werden 50-70 cm Dünndarm wiederum am tiefsten Punkt des Bauchraumes ausgeschaltet und zu einem Reservoir vernäht. Es erfolgt die Einnaht der Harnleiter von beiden Nieren und die Naht mit der Harnröhre. Es besteht kein künstlicher Ausgang. Die Harnentleerung erfolgt auf natürlichem Weg, da der Harnröhrenschließmuskel intakt bleibt. Eine Schonung der Erektionsnervenbahnen ist möglich.
Die Ileum-Neoblase steht für Männer und Frauen zur Verfügung. Die Lebensqualität nach einer kompletten Blasenentfernung ist mit einer Ileum-Neoblase am höchsten.
Ein Tumorbefall der Harnröhre erfordert auch die Entfernung derselben und schließt die Bildung der Ileum-Neoblase aus.
Soll trotz notwendiger Harnröhrenentfernung ein nasses Stoma vermieden werden, so bieten sich Techniken mit einem künstlichen katheterisierbaren trockenen Stoma an. Es wird ein Nabel- oder Unterbauchstoma angelegt. Darüber kann der Patient die Neoblase selbständig mittels Katheter entleeren. Zur trockenen Stomabildung wird eine Darmschlinge eingestülpt oder der Wurmfortsatz verwendet (Appendixpouch).
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