Neue S3-Leitlinie: Unkomplizierte Harnwegsinfektion

Harnwegsinfektion

Unkomplizierte Harnwegsinfektionen zählen zu den häufigsten Infektionen und führen daher zu einem hohen Antibiotikaverordnungsvolumen. Das höchste Antibiotikaverordnungsvolumen nach Tagesdosen pro Arzt weisen HNO- und Kinderärzte auf, gefolgt von Urologen, Haut- und Hausärzten. Hierbei gilt es zu beachten, dass das Resistenzniveau von Erregern unkomplizierter Harnwegsinfektionen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Antibiotikaresistenzen stellen daher ein steigendes globales Problem dar, das zu erheblichen Herausforderungen im Gesundheitssystem führt.

Unkomplizierte Harnwegsinfektionen sind umgangssprachlich z.B. eine akute Blasenentzündung (Zystitis) oder Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis), die nicht im Rahmen eines stationären Krankenhausaufenthalts auftreten. Im Gegensatz zu einer komplizierten Harnwegsinfektion liegen hier keine funktionellen oder anatomischen Besonderheiten oder besondere Risikofaktoren vor, wie z.B. eine bekannte Nierenfunktionsstörung, eine Urinabflussstörung, ein Katheter oder eine angeborene Erkrankung der Harnwege. Am häufigsten sind Frauen betroffen, eine besondere Gruppe stellen hierbei Schwangere dar, bei Ihnen werden Infektionen meist als kompliziert betrachtet und daher gesondert behandelt. Der häufigste Erreger einer Harnwegsinfektion ist ein Darmkeim, der Escherichia coli. Die typischen Symptome einer akuten Harnwegsinfektion sind Brennen beim Wasserlassen, häufiges Wasserlassen mit akuten Drangsymptomen, das Gefühl einer unvollständigen Blasenentleerung, Unterbauchschmerzen und gelegentlich auch Blutbeimengung. Bei einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) kommen in der Regel Fieber sowie Schmerzen im Bereich der Lendengegend hinzu.

Der Goldstandard in der Diagnostik, also das beste Mittel zur Diagnose einer akuten unkomplizierten Harnwegsinfektion, ist das Anlegen einer Urinkultur und somit Bestimmung der Bakterien, die die Infektion auslösen. Vorher können ein Urin-Streifentest sowie das Mikroskopieren des Urins im Labor bereits Hinweise auf eine Harnwegsinfektion geben. Bei sonst gesunden Frauen mit den typischen Symptomen sowie Nachweis von Leukozyten (Entzündungszellen) in der Mikroskopie ist das Anlegen einer Urinkultur nicht notwendig. In allen anderen Fällen (unklare Symptome, Vorhandensein von Risikofaktoren) ist dies jedoch sehr wichtig.

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie hat im letzten Jahr eine aktualisierte Leitlinie zur Behandlung einer unkomplizierten Harnwegsinfektion heraus gegeben. Dies ist sehr wichtig, um einen rationalen Einsatz von Antibiotika zu gewährleisten. In der Leitlinie werden Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie einer unkomplizierten Harnwegsinfektion bei den unterschiedlichen Patientengruppen anhand der aktuellen Studienlage, also nach wissenschaftlicher Evidenz, von einem Expertenteam ausgesprochen. Hierbei wurden die Empfehlungen zur antibiotischen Therapie einer unkomplizierten Harnwegsinfektion aktualisiert sowie Empfehlungen zur Behandlung von immer wieder kehrenden (rezidivierenden) Harnwegsinfektionen eingebracht.

Neu ist einerseits, dass bei einer akuten Blasenentzündung bei sonst gesunden Frauen auch Ibuprofen anstelle eines Antibiotikums zur Therapie eingesetzt werden kann. Dies muss jedoch jeweils individuell geprüft und mit der Patientin ausführlich besprochen werden, da die Symptome etwas länger anhalten können als bei einer direkten antibiotischen Therapie und eventuell im Verlauf doch noch eine antibiotische Therapie erfolgen muss.

Andererseits wird erneut darauf hingewiesen, dass bestimmte Antibiotika, die zur Zeit noch sehr häufig bei einer akuten unkomplizierten Blasenentzündung verschrieben werden, z.B. Ciprofloxacin oder Cefuroxim, nicht mehr zum Einsatz kommen sollten, sondern andere Antibiotika die Mittel der ersten Wahl sind, darunter Fosfomycin, Nitrofurantoin oder Pivmecillinam. Bei einer unkomplizierten Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) ist jedoch Ciprofloxacin weiterhin das Mittel der ersten Wahl, zudem sollte bei schweren Verläufen eine stationäre Behandlung zur intravenösen Antibiotika-Therapie erfolgen.

Bei häufig wiederkehrenden Harnwegsinfektionen stehen zunächst einige nicht-antibiotische Maßnahmen zur Auswahl. Dazu gehören das Vermeiden von Risikoverhalten (Unterkühlung, ausgewogenes Trinkverhalten, übertriebene Intimhygiene, Adipositas), Immunprophylaktika (ähnlich einer Impfung), Mannose sowie verschiedene Phytotherapeutika (z.B. Kapuzinerkressekraut, Meerrettichwurzel). Erst nach Ausschöpfen dieser Maßnahmen kommt eine antibiotische Langzeitprävention über 3-6 Monate mit einem niedrig dosierten Antibiotikum in Betracht.

Zusammenfassend ist die unkomplizierte Harnwegsinfektion eine sehr häufige Infektion, deren antibiotische Therapie einen hohen Selektionsdruck auf die beteiligten Bakterien, sowie die normalen Bakterien der Standortflora ausübt. Ein umsichtiger Umgang mit Antibiotika ist daher heutzutage sehr wichtig und von hohem Interesse, um auf lange Sicht die Nachhaltigkeit der antibiotischen Therapie zu sichern. Die Neuerungen der Leitlinie sind daher für alle Fachgruppen, die sich mit Harnwegsinfektionen befassen, sehr wichtig, also nicht nur für Urologen, sondern auch für Hausärzte, Gynäkologen, Mikrobiologen und Internisten.

Literaturverzeichnis

Leitlinienprogramm DGU, AWMF: Interdisziplinäre S3 Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. Kurzversion 1.1.-2, 2017 AWMF Registernummer: 043/044. www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-044l_S3_Harnwegsinfektionen_2017-05.pdf (Zugriff am: 12.05.2018).

Gágyor I, Bleidorn J, Kochen MM, Schmiemann G, Wegscheider K, Hummers-Pradier E. Ibuprofen versus fosfomycin for uncomplicated urinary tract infection in women: randomised controlled trial. BMJ. 2015;351:h 6544

„S3-Leitlinie Unkomplizierte Harnwegsinfektionen“, von Dr. Jennifer Kranz, Dr. Stefanie Schmidt und Apl. Professor Dr. Dr. h. c. Kurt Naber, Bayerisches Ärzteblatt 11/2017, Seite 552 ff.

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