Was versteht man unter einer Belastungsinkontinenz?

Darunter versteht man einen unwillkürlichen Urinverlust bei körperlicher Anstrengung. Es werden 3 Stärkegrade angegeben.

Grad I Urinverlust beim Husten, Pressen und Niesen
Grad II Urinverlust beim Gehen, Bewegen und Aufstehen
Grad III Urinverlust bereits im Liegen

Was ist die Ursache?

Bei Frauen ist eine allgemeine Beckenbodenschwäche die häufigste Ursache. Risikofaktoren sind mehrere vaginale Geburten und Übergewicht. Bei Männern tritt eine Belastungsinkontinenz als Folge von Operationen im Beckenbodenbereich (postoperative Belastungsinkontinenz) auf.

Wie wird die Belastungsinkontinenz behandelt?

Geringfügige Formen können mit einem Beckenbodentraining oder spezieller Krankengymnastik erfolgreich behandelt werden. Während und nach den Wechseljahren kann eine lokale oder systemische Hormonsubstitution mit Östrogenen sinnvoll sein.

Wenn eine physiotherapeutische Behandlung nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, kann eine Operation eine Belastungsinkontinenz bessern oder auch heilen. Es stehen dafür viele verschiedene Operationsmöglichkeiten zur Verfügung. Welche Operationen für Sie die richtige ist, kann erst nach einer umfassenden Untersuchung entschieden werden.

  • Bandoperationen
    (Einlage eines Kunststoffbandes unter die mittlere Harnröhre)
    Dieser Eingriff ist die am häufigsten angewendete Operation bei Belastungsinkontinenz. Über einen kleinen Schnitt in der Scheide unter der Harnröhre wird eine Kunststoffband entweder zur Oberschenkelinnenseite hin (transobturatorisches Band) oder hinter dem Schambeinbogen (retropubisches Band) ausgeleitet. Das Band soll spannungsfrei unter der Harnröhre liegen. Es werden alle zur Zeit gängigen Netze in unserer Klinik eingelegt.

    Der Eingriff kann in Spinalanästhesie oder in einer kurzen Vollnarkose durchgeführt werden. Die Operationsdauer beträgt in der Regel 15 bis 20 Minuten. Nach der Operation müssen Restharnkontrollen durchgeführt werden, um zu gewährleisten, dass sich die Blase gut entleert. Selten ist es erforderlich, nach 1-2 Tagen das Band etwas zu lockern.

    Die Erfolgswahrscheinlichkeit für diese Operationen beträgt 80 bis 90% Besserung und Heilung.
  • Anheben der Scheide über einen Bauchschnitt (Kolposuspension)
    In bestimmten Situationen ist eine Kolposuspension die geeignete Operation. Dabei wird über einen Bauchschnitt die Scheide angehoben und mit Fäden hinter dem Schambeinbogen fixiert. Dadurch wird der Blasenhals stabilisiert. Dieser Eingriff erfolgt in der Regel in Vollnarkose und dauert ca. 45 Minuten. Nach der Operation sind Restharnkontrollen erforderlich. Die Erfolgsaussichten betragen je nach Vorgeschichte 70 bis 80% Besserung und Heilung.

    Über Risiken und Komplikationen werden Sie in einem Vorgespräch ausführlich informiert.

  • Harnröhreneinspritzungen
    Bei diesen Operationen wird durch die Harnröhre eine Art Schwellkörper unter die Harnröhrenschleimhaut gespritzt. Dadurch dichtet die Harnröhre besser ab. Dieser Eingriff kann in Lokalanästhesie oder in kurzer Narkose erfolgen. Die Erfolgsraten liegen bei 60% Besserung und Heilung. Eine zweite Einspritzung nach 4 Wochen kann die Erfolgsrate verbessern. Auch hier sind Restharnkontrollen notwendig.
    Wir führen die o.g. Operationen routinemäßig und häufig durch.

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