Behandlung von Narbenhernien (Narbenbrüchen)

Narbenhernien treten als Folge operativer Zugänge im Bauchraum auf und gehören zu den häufigsten Komplikationen bei abdominellen Eingriffen.
Etwa 50.000 Narbenhernienoperationen werden pro Jahr in Deutschland durchgeführt.

Meist sind Narbenhernien asymptomatisch.
Ist dies nicht der Fall, klagen die Patienten häufig über eher unspezifische Beschwerden und haben gelegentlich Schmerzen sowie Passageprobleme (z.B. postprandiales Völlegefühl).
Bei ausgeprägten Hernien können Hautläsionen über dem Bruchsack oder chronische Beschwerden an der Wirbelsäule auftreten.
Die schwerste Komplikation bei nicht operierten Narbenhernien ist die Inkarzeration („Einklemmung“ von Darmanteilen) die in 6 -15 % der Fälle auftritt.

Zu den Risikofaktoren für die Entstehung einer postoperativen Narbenhernie gehören das Patientenalter zum Operationszeitpunkt, Übergewicht, das Auftreten einer postoperativen Wundinfektion und Faktoren, welche die Wundheilung beeinflussen, wie das Vorliegen eines Diabetes mellitus, ein Eiweißmangel oder eine positive Raucheranamnese.

Es existieren zahlreiche Publikationen und Studien zur operativen Versorgung von Narbenhernien, ein ultimativer Beweis für die beste Operationstechnik ist bisher jedoch nicht erbracht worden. Der allgemeine Konsens in der Literatur ist, dass die unterstützende Implantation von Netzen nötig ist.

Die Reparation einer Narbenhernie beinhaltet die Netzimplantation, entweder als offenes Verfahren (die sogenannte morphologische und funktionelle Bauchdeckenrekonstruktion mit Netzimplantation in „Sublay“-Position) oder minimalinvasiv (ein laparoskopischer Eingriff mit Netz in der sogenannten „IPOM“-Position).

Von großer Bedeutung ist dabei die anatomische Ebene, in der die Netze eingebracht werden. Die „Sublay“-Position bezeichnet eine retromuskuläre Netzlage, die „IPOM“-Position eine Lage bei der das Netz zwischen Bauchdecke und Darm positioniert wird. Bei einem minimalinvasiven Eingriff findet stets die „IPOM“-Position Anwendung, wobei diese Positionierung auch in einem offenen Eingriff möglich ist.

Weder in Bezug auf Reoperation-, noch auf Komplikations- und Rezidivrate sind bei den angegebenen Operationsverfahren signifikante Unterschiede zu verzeichnen.

Es muss bei jedem Patienten individuell über die für ihn beste Operationstechnik entschieden werden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass bei jungen und schlanken Patienten ohne Risikofaktoren die sogenannte morphologische und funktionelle Bauchdeckenrekonstruktion mit Netzimplantation gewählt werden kann.

Zur Symptomtherapie bei erhöhtem perioperativem Risikoprofil kann das laparoskopische „IPOM“ Anwendung finden. Patienten mit kombinierten Brüchen sowie ausgeprägten Bruchpforten profitieren vom offenen „IPOM“.

Jedoch muss abschließend nochmals betont werden, dass jeder Narbenhernienpatient individuell beraten werden soll und es keine ideale Universaloperation gibt.

Literaturverzeichnis

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Dtsch Arztebl Int 2018; 115(3): 31-7; DOI: 10.3238/arztebl.2018.0031

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