„PSMA-radioguided surgery“ – Alternative beim lokalisierten Prostatakarzinomrezidiv?

Patienten, die nach der Erstdiagnose eines Prostatakarzinoms eine kurative Therapie erhalten haben, zum Beispiel in Form von einer radikalen Prostatektomie oder einer Bestrahlung, werden nach Beendigung der Behandlung der Krebsnachsorge zugeführt. Diese basiert hauptsächlich auf der Beobachtung des PSA-Wertes, der nach erfolgreicher Therapie auf einen bestimmten Wert sinkt.

Zeigt sich im Rahmen der Nachsorge ein erneut ansteigender PSA-Wert, so muss in bestimmten Fällen an ein Rezidiv des Prostatakrebses gedacht werden. Um das Ausmaß und die Lokalisation des Rezidivs besser einzuschätzen, wird bei dem Patienten eine bildgebende Diagnostik durchgeführt. Nicht selten zeigt sich dann gerade bei beschwerdefreien Patienten mit einem nur leicht erhöhten PSA-Wert lediglich ein limitiertes Rezidiv in Form von einem oder wenigen befallenen Lymphknoten.

In solchen Fällen ist man angehalten, den Patienten eine antihormonelle Therapie noch zu ersparen, ihnen aber gleichzeitig eine effektive lokale Behandlungsalternative anzubieten. Eine solche Option kann die sogenannte Salvage-Lymphadenektomie darstellen. Es handelt sich um einen operativen Eingriff, im Rahmen dessen die Lymphknotenmetastase/n entfernt werden, mit dem Ziel eine weitere Krankheitsprogression und die medikamentöse Therapie hinauszuzögern. Aktuell kann von den Leitlinien dieses Verfahren nicht offiziell empfohlen werden, da seine Effektivität nicht ausreichend durch wissenschaftliche Daten belegt ist. Dennoch mehrt sich die Evidenz, dass eine lokale Metastasentherapie, sei es in Form von Operation oder Bestrahlung, für bestimmte Patientengruppen geeignet sein kann.

Eine weitere Entwicklungsstufe der Salvage-Lymphadenektomie stellt die „PSMA-radioguided surgery“ dar. Mit dieser Methode können die kleinen Lymphknotenmetastasen mit einer höheren Genauigkeit identifiziert und entfernt werden. Das Verfahren basiert auf der Tatsache, dass die Prostatakrebszellen ein ganz bestimmtes Molekül auf ihrer Oberfläche tragen – das sogenannte Prostata-spezifische-Membranantigen (PSMA). Alle anderen Zellen im Körper tragen diese Markierung nicht. So kann man dem Patienten eine Substanz verabreichen, die auf diese Markierung wie ein Puzzle-Stück passt und zudem mit einem radioaktiven Stoff markiert ist. Hierdurch werden die Prostatakrebszellen im Körper von den „Puzzle-Stücken“ besetzt. Der radioaktive Marker sorgt dabei dafür, dass man mithilfe von einer speziellen Sonde die Radioaktivität dieser Stellen messen und schließlich in ein Bild oder auch ein akustisches Signal verwandeln kann. So weiß man, wo die Metastasen sich genau befinden, und zwar oftmals auch, wenn sie nur eine Größe von wenigen Millimetern aufweisen. Diese Eigenschaft der Prostatakrebszellen macht man sich bereits in der Diagnostik zunutze (PSMA-PET) und erzielt damit insbesondere bei niedrigen PSA-Werten genauere Ergebnisse. Im Rahmen der „PSMA-radioguided surgery“ wird der Effekt intraoperativ genutzt, um direkt im Rahmen des Eingriffs die Metastasen aufzuspüren und zu resezieren.

Sicherlich kann gerade bei sehr kleinen Metastasen die Resektionspräzision durch eine „PSMA-radioguided surgery“ verbessert werden. Welche Rolle das Verfahren letztendlich im langfristigen onkologischen Follow-up spielt, bleibt noch ungeklärt. Die bisher vorliegenden retrospektiven Daten stützen sich auf einem kleinen und doch sehr heterogenen Kollektiv sowie einem relativ kurzen Beobachtungszeitraum, sodass keine Aussagen zum langfristigen Effekt der Methode gemacht werden können. Auch müssten adäquate Vergleiche mit den Ergebnissen von konventioneller Salvage-Lymphadenektomie und Radiatio durchgeführt werden, um den eigentlichen Stellenwert der „PSMA-radioguided surgery“ zu erfahren. Am allerwichtigsten jedoch ist es, die Patienten richtig auszuwählen, die von diesem Verfahren profitieren können. Auch hierzu müssen weitere, umfangreiche Untersuchungen durchgeführt werden.

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