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Medizinisches Spektrum Urologische Klinik München-Planegg

Die Prostata-Arterien Embolisation (PAE)

Eine kritischer Bericht über eine alternative Behandlungsmöglichkeit des benignen Prostatasyndroms (BPS)

Neben den auf den vorherigen Seiten erläuterten Standardmöglichkeiten der operativen „Prostataverkleinerungen“ gibt es mittlerweile verschiedene alternative experimentelle Therapieangebote.

Hierzu gehört z.B. die Embolisation der Prostataarterien. Das Verfahren findet in lokaler Betäubung statt. Durch einen Schnitt in der Leiste wird mit speziellen Kathetern in die dort liegende Arterie eingegangen und die Prostataarterie mithilfe von winzigen Partikeln verschlossen.

Nicht jeder Patient eignet sich für dieses Verfahren. Voraussetzungen für den Eingriff sind zum einen eine entsprechende Größe der Prostata. Die Größe der Prostata eines Mannes korreliert nicht automatisch mit den Beschwerden. So gibt es viele Patienten, die bereits bei nur mäßiger Prostatahyperplasie erhebliche Beschwerden aufweisen. Ebenfalls sind technisch gut erreichbare Prostataarterien unabdingbar, was jedoch aufgrund der zum Teil erschwerten anatomischen Bedingungen im Becken und aufgrund Veränderungen der Arterien (Arteriosklerose - das „Verkalken“ der Gefäße) nicht immer gegeben ist. Vor allem müssen auf beiden Körperseiten die Gefäße zugänglich sein. Die Beckengefäße stellen sich bei jedem Mann sehr unterschiedlich dar, so ist der richtige Abgang der richtigen Arterie sehr variabel und in 40 % der Fälle sind sogar mehrere hauptversorgende Gefäße zu finden.

Das Hauptproblem stellen die zahlreichen Kollateralversorgungen der Prostata dar: Die Drüse liegt gut geschützt im Becken, genauer gesagt unterhalb der Harnblase, vor dem Enddarm, oberhalb des Beckenbodens mit den Schließmuskeln und hinter dem Schambein. Eine dauerhafte und vollständige arterielle Gefäßunterbindung ist schlicht unmöglich, da sonst die benachbarten und angrenzenden Organe ebenfalls durch die Minderdurchblutung zu Schaden kommen.

Ein oft angepriesener Vorteil ist die „Sicherheit“ der experimentellen Methode, da es bei den behandelnden Patienten noch nicht zu schwerwiegenden Komplikationen (z.B. starken Blutverlusten oder Tod) gekommen ist. Jedoch werden die kleineren Komplikationen oft nicht angegeben. Diese sind neben einer erhöhten Strahlenbelastung auch der verzögerte Eintritt der Wirkung (ein bis drei Monate nach dem Eingriff), häufig postoperative Harnverhalte, fehlende Langzeitwirkung und evidenzbasierte Langzeitergebnisse. Ebenfalls sind aktuell nur sehr wenige gut vergleichende Studien gegenüber dem operativen Goldstandard in der medizinischen Fachliteratur publiziert worden.

Zusammenfassend ist die PAE eine experimentelle Methode zur Behandlung des Benignen Prostatasyndroms. Bislang publizierte Daten sind aufgrund ihrer großen Selektivität nicht aussagekräftig. Langzeitdaten fehlen bisweilen komplett bzw. zeigen eine deutliche Unterlegenheit der PAE gegenüber den bewährten Methoden. Daher vertrauen wir in der Urologischen Klinik München-Planegg auf den Goldstandard zur operativen Behandlung.

Quellen/Literatur

Shim SR et al. Re: Efficacy and Safety of Prostativ Arteriel Embolization: Systematic Review with Meta-Analyse and Meta-Regression J Urol. 2017; 197: 465-79

Wang et al. Int J Urol. 2015 Aug; 22(8): 766-72. doi: 10.1111/iju.12797.

Bilhim et al. Tech Vasc Interv Radiol. 2012 Dec;15(4): 276-85. doi: 10.1053/j.tvir.2012.09.006

Abt et al.: Prostatic Artery Embolization (PAE): eine kritische Bewertung“ Uro News 2017; 21 (6) S. 28ff

Russo GI, Kurbatov D, Sansalone S, et al. 2015. Prostatic arterial embolization vs open prostatectomy: a 1-year matched-pair analysis of functional outcomes and morbidities. Urology 86: 343-348.