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Grundsätzliche Fragen zur Entfernung von Becken-Lymphknoten im Rahmen der radikalen Prostatovesikulektomie (vollständige Prostataentfernung)

Die intraoperative Entfernung der Beckenlymphknoten im Rahmen der radikalen Prostatovesikulektomie (vollständige Prostataentfernung) ist aktueller Goldstandard. Dies entspricht auch den Empfehlungen der aktuellen S3 Leitlinie von Mai 2019 sowie den europäischen Guidelines.

Es gibt vielfältige Gründe für die Entfernung der Beckenlymphknoten (Lymphadenektomie). Zunächst wird durch die Entfernung die Tumormasse reduziert. Vor allem für Hochrisikopatienten unter 60 Jahren scheint ein multimodales Therapiekonzept mit operativen und systemischen Ansätzen einen Überlebensvorteil darzustellen. Des Weiteren ermöglicht die Entfernung der Lymphknoten die Feststellung eines exakten Tumorstadiums und erleichtert damit die Festlegung der weiteren Therapie.

Andererseits fehlen bis zu diesem Tag groß angelegte, randomisierte und prospektive Studien, die den therapeutischen Nutzen einer Lymphadenektomie belegen. Zu beachten ist daher auch, dass die Entfernung von Lymphknoten mit einer verlängerten Operationszeit einhergeht und damit auch ein erhöhtes Risiko für intra- und postoperative Komplikationen mit sich bringt. Postoperativ kann es zu einem verlängerten stationären Aufenthalt kommen, welcher ggfs. mit einer erhöhten Morbidität (z.B. Entwicklung von Lymphozelen oder Thrombosen/Embolien oder Sepsis) einhergeht.

Die Indikation für eine Lymphadenektomie besteht jedoch weiterhin, vor allem für Patienten der mittleren und hohen Risikogruppe (siehe Tabelle 1).

Die Thematik wirft viele Fragen auf. Wird es in Zukunft möglich sein, die Lymphadenektomie durch radiographische Methoden (z.B. 68-Ga-PSMA-PET/ Magnetresonanztomografie) zu ersetzen? Unklar ist auch, wie viele Lymphknoten mindestens entfernt werden sollten, um einen therapeutischen Nutzen zu erzielen.

Ob die Entfernung von Lymphknoten einen lebensverlängernden Effekt hat, wird aktuell von Experten bejaht, aber es fehlen weiterhin groß angelegte Studien, um dies zu belegen. Bis dahin sollte weiterhin eine individuelle und sorgfältige Nutzen-Risikoabwägung durch den betreuenden Urologen und Onkologen erfolgen.

Risiko Kriterien LK-Meta­stasen (%)
niedrig PSA < 10
Gleason < 7
cT1,2
Je nach Studie
0-3%
mittel PSA= 10-20
Gleason 7
cT2b
3,7-20
hoch PSA > 20
Gleason ≥ 8
≥ cT3
15-40

Literaturangaben:

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  • Preisser F et al. Effect of Extended Pelvic Lymph Node Dissection on Oncologic Outcomes in Patients with D’Amico Intermediate and HighRisk Prostate Cancer Treated with Radical Prostatectomy: A Multi-Institutional Study. J Urol. 2020; 203: 338-43
  • Chalouhy C et al. Current controversies on the role of lymphadenectomy for prostate cancer. Urol Oncol: Sem Orig Invest. 2019; 37: 219 -26
  • Fossati N et al. The Benefits and Harms of Different Extents of Lymph Node Dissection During Radical Prostatectomy for Prostate Cancer: A Systematic Review. Eur Urol. 2017; 72: 84-109
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  • Vargas C et al. Lack of Benefit of Pelvic Radiation in Prostate Cancer Patients with a High Risk of Positive Pelvic Lymph Nodes Treated with High-Dose Radiation. Int J Radiat Oncol Biol Phys. 2005; 63: 1474-82
  • Steuber T et al. Radical prostatectomy improves progression-free and cancer-specific survival in men with lymph node positive prostate cancer in the prostate-specific antigen era: a confirmatory study. BJU Int, 107 (2011), pp. 1755-1761