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Die Rolle der lokalen Therapie des Primärtumors bei der Behandlung des oligometastasierten Prostatakarzinoms

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung und die zweithäufigste Krebstodesursache bei Männern in Deutschland. Der technologische Fortschritt mit besseren bildgebenden Verfahren hat in den letzten Jahren zu einer Zunahme von aggressiveren und lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinomen in der Erstdiagnostik geführt. Hierbei stellt das Prostatakarzinom im oligometastasierten Stadium Ärzte und Patienten vor eine besondere Herausforderung.

Der Begriff der Oligometastasierung (griechisch oligo=wenig) wurde 1995 erstmals durch Hellmann und Weichselbaum als Stadium zwischen einer lokalen Tumorbegrenzung und einer ausgeprägten Fernmetastasierung definiert. Trotz beginnender Metastasierung sollte in diesem Stadium ein kurativer Therapieansatz verfolgt werden, bestehend aus einer Kombination aus lokaler Behandlung, zielgerichteter Metastasentherapie und systemischer Chemo-/ oder Hormontherapie. Obwohl in der Fachliteratur keine einheitliche Definition der Oligometastasierung vorliegt, werden häufig die sogenannten „CHAARTED- Kriterien“ angewendet.

Durch die Erkenntnisse der Stampede-Studie hat die Therapie des hormonsensitiven, metastasierten Prostatakarzinoms seit Oktober 2018 eine drastische Veränderung erlebt. So soll bereits im hormonsensitiven, metastasierten Stadium zusätzlich zur antihormonellen Therapie eine erweiterte Hormontherapie mit Abirateron oder eine Chemotherapie mittels Docetaxel erfolgen mit signifikanter Verbesserung des Gesamtüberlebens.

In der Subgruppenanalyse der Stampede-Studie nach den „CHAARTED- Kriterien“ zeigte sich bei Patienten im oligometastasierten Stadium außerdem ein signifikanter Nutzen einer zusätzlichen lokalen Therapie auf das 3- Jahres Gesamtüberleben.
Die perkutane Bestrahlung des Primärtumors innerhalb eines Jahres nach Randomisierung brachte bei diesen Patienten einen signifikanten Überlebensvorteil (49,1 Monate) im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne lokale Strahlentherapie (45,4 Monate). Diese Erkenntnis wurde bereits in die europäischen Leitlinien aufgenommen.

Der Stellenwert der chirurgischen Lokaltherapie ist hierbei noch ungeklärt und Gegenstand aktueller Forschung. So muss vor allem die radikale Entfernung der Prostata (Prostatovesikulektomie) im Vergleich zur perkutanen Strahlentherapie prospektiv klinisch untersucht werden.

Retrospektive wissenschaftliche Arbeiten geben bereits Hinweise auf einen möglichen Nutzen der radikalen Prostatovesikulektomie beim oligometastasierten Prostatakarzinom.
Im Rahmen des amerikanischen Tumorregisters (SEER) wurden von 2004 bis 2014 über 8000 Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom untersucht. Hierbei zeigte sich ein deutlicher Vorteil im 5-Jahres Gesamtüberleben, aber auch im krebsspezifischen Überleben, der 245 Patienten mit radikaler Prostatovesikulektomie im Vergleich zu den Patienten, die eine Brachytherapie oder keine lokale Therapie erhalten haben. Eine Subgruppenanalyse dieses Patientenkollektivs im Hinblick auf das Ausmaß der Metastasierung sowie auf den Ausgangs-PSA- Wert zeigte einen Überlebensvorteil für Patienten mit ossären Metastasen und einem PSA-Wert bis 40 ng/ml. Interessanterweise entspricht dies eben dem Profil des oligometastasierten Prostatakarzinoms.

Die Studienergebnisse der kommenden Jahre müssen den Stellenwert der unterschiedlichen Lokaltherapie beim oligometastasierten Prostatakarzinom evaluieren. In Zukunft wird eine individuelle Krankheitsstratifizierung und eine individuelle Therapieplanung an Bedeutung gewinnen.