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Risiko-Faktoren und Adjuvante Therapie beim Seminom des Hodens im klinischen Stadium I

Maligne Hodentumoren treten vornehmlich bei jungen Männern zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr auf und können verschiedene histologische Tumorentitäten aufweisen.

Zur histologischen Sicherung erfolgt eine inguinale Hodenfreilegung mit radikaler Orchiektomie. Vor der OP erfolgt eine ausführliche Staginguntersuchung (CT-Thorax und Abdomen). Je nach Tumortyp (Seminom und Nicht-Seminom) und Stadium folgt eine adjuvante (unterstützende) Therapie. Hierzu werden die Tumore in ein klinisches Stadium eingeteilt.

Im Folgenden wird auf Seminome im klinischen Stadium I (CS I) eingegangen. Dieses ist definiert als jede Primärlokalisation ohne extrapulmonale Organmetastasen. Insgesamt lässt sich bei Hodentumoren eine Langzeit-Remissionsrate von fast 100% erreichen.

Im klinischen Stadium I zeigt sich bei Seminom eine Rezidiv Rate von 12-20%, bei nicht Seminomen zeit sich eine Rezidiv Rate von 30 %.

Trotz der sehr guten Langzeitüberlebens-Ergebnisse sollte eine Übertherapie verhindert werden und Risikofaktoren evaluiert werden, die ein Rezidiv prognostizieren können.

Bei nicht Seminomen kann hierzu im histologischen Präparat die lymphovaskuläre Infiltration verwendet werden. Liegt eine lymphovaskuläre Infiltration vor, sollte anschließend ein Zyklus adjuvante Chemotherapie durchgeführt werden (PEB).

Beim Seminom gibt es bisher weniger prognostische Faktoren. Als ungünstiger prognostischer Faktor gibt es die Tumorgröße. Pro Zentimeter steigt das Rezidiv Risiko um etwa 2-3 % und ist ab 4 cm signifikant. Als günstigen prognostischen Faktor kann bei Tumoren die kleiner als 4 cm sind die fehlende Rete testis Infiltration gewertet werden. Keinen prognostischen Faktor haben beim Seminom die lymphovaskuläre Infiltration, β-HCG und das Alter.

Insgesamt sind etwa 80 % der Seminom Patienten durch die Semikastration geheilt. Die S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Keimzelltumoren des Hodens empfiehlt, dass ab einer Tumorgröße von etwa 4 cm eine adjuvante Therapie in Betracht gezogen werden kann. Dies kann eine Radiatio des Retroperitoneums oder eine Chemotherapie sein.

Laut Leitlinie können ein oder zwei Zyklen Carboplatin als adjuvante Therapie gegeben werden. Hier gibt es keine eindeutige Studienlage, ob ein oder zwei Zyklen gegeben werden sollten (EAU vs. S3-Leitlinie). Ein Zyklus reduziert das Rezidiv Risiko um 50 %, ein zweiter Zyklus reduziert das Rezidiv Risiko um 90%. Jedoch erhöht Carboplatin das Risiko für Zweitmalignome (1,9%), sowie für kardiovaskuläre Ereignisse (2,3%). Bisher gibt es noch keine Langzeitstudien, die einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren abbilden.

Laut aktueller und neuer S3-Leitlinie kann adjuvant ebenfalls eine Radiatio des Retroperitoneums mit 20 Gy erfolgen. Hierdurch kommt es zu einer Reduktion der Rezidive um 90 %. Eine Schwachstelle der adjuvante Radiatio Studien ist, dass unterschiedliche Bestrahlungsfelder und unterschiedliche Strahlendosen verwendet wurden. Die unterschiedlichen Studien zeigen ebenfalls widersprüchliche Ergebnisse bezüglich der Zweitkarzinome (kein erhöhtes Risiko vs. erhöhtes Risiko).

Insgesamt lässt sich sagen, dass 80% der Seminom Patienten durch die Ablatio testis geheilt sind, sodass im CS I eine Active Surveillance empfohlen wird und eine Übertherapie vermieden werden sollte. Ab einer Tumorgröße von 4 cm kann eine adjuvante Therapie in Betracht gezogen werden. Hier kann laut S3-Leitlinie eine Bestrahlung (20 Gy, Retroperitoneum) oder Chemotherapie (1-2 Zyklen Carboplatin) durchgeführt werden. Dies sollte ausführlich mit den Patienten besprochen werden, und die Vorteile (Rezidiv Reduktion) gegen die Nachteile (Zeitmalignom-Risiko, kardiovaskuläre Ereignisse) abgewogen werden.