Medizinisches Spektrum Urologische Klinik München-Planegg

Weitere sexuell übertragbare Erkrankungen

Ulcus molle (weicher Schanker)

STD, die durch das Bakterium Haemophilus ducreyi hervorgerufen wird. In Deutschland selten, Vorkommen vor allem in tropischen Ländern. Nach einer Inkubationszeit von etwa 1-5 Tagen (selten auch bis 30 Tage) entwickeln sich in der Genitalregion mehrere weiche, eitrige Geschwüre, die sehr schmerzhaft sind. Wenn keine Behandlung erfolgt können die Leistenlymphknoten anschwellen und aufbrechen. Die Diagnose wird mittels Abstrich, Kultur und Mikroskopie gestellt. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika, dabei sind verschiedene Präparate möglich.

Lymphogranuloma venerum

STD, die durch bestimmte Subtypen der Chlamydien (Ch. trachomatis, Serotyp L1-L3) verursacht wird. Chlamydien sind Bakterien, die sich nur innerhalb einer Wirtszelle vermehren können. Das Lymphogranuloma venerum kommt vor allem in tropischen Ländern vor.
Nach einer Inkubationszeit von 5 – 21 Tagen bildet sich ein einzelnes Geschwür in der Genitalregion. Dieses heilt meist spontan ab und kann auch unbemerkt bleiben. Nach mehreren Wochen kommt es zu einer schmerzhaften Vergrößerung der regionären Lymphknoten (bis hühnereigroß, sogenannte Bubonen), die im Verlauf einschmelzen und nach außen durchbrechen. Dabei entleert sich zäher Eiter, es bestehen Allgemeinsymptome wie Fieber und Schüttelfrost. Unbehandelt kommt es zu chronischen Lymphschwellungen und Geschwüren im Genitaltrakt. Der Nachweis erfolgt durch direkten DNA-Nachweis im Abstrich. Die Behandlung erfolgt durch chlamydien-wirksame Antibiotika wie Tetracycline (z.B. Doxycyclin) oder Makrolide (z.B. Erythromycin) über mindestens 3 Wochen.

Granuloma inguinale (Donovanosis)

Eine weitere STD, die vor allem in den Tropen vorkommt, ist das Granuloma inguinale. Der Erreger ist Klebsiella granulomatis. Nach der Infektion kommt es zu einem derben, schmerzlosen Knötchen an der Eintrittspforte, im weiteren Verlauf entstehen weitere Knötchen im Genitalbereich. Die Lymphknoten sind meist nicht oder nur gering angeschwollen. Im Verlauf können die Lymphbahnen verstopfen, was zu einer chronischen Lymphschwellung bis hin zur sogenannten Elephantiasis führen kann. Die exakte Diagnose in Kulturen oder mittels DNA-Nachweis ist nur in Speziallabors möglich. Die Therapie erfolgt mit Antibiotika, als Substanzen kommen Makrolide oder Tetracycline in Frage, eine Alternative ist Cotrimoxazol.

Molluscum contagiosum (Dellwarzen)

Es handelt sich dabei um Warzen, die durch Viren ausgelöst werden, welche die oberste Hautschicht befallen. Die Übertragung erfolgt durch eine Schmierinfektion bei direktem Kontakt oder durch verunreinigte Gegenstände.
Es kann dabei jede Körperregion befallen werden, es handelt sich somit um keine klassische Geschlechtskrankheit, eine Übertragung beim Geschlechtsverkehr ist aber möglich. Meistens sind Kinder von 2 – 6 Jahren betroffen, die sich in entsprechenden Betreuungseinrichtungen bei erkrankten Kindern anstecken.
Nach einer Inkubationszeit von 2 – 7 Wochen treten die etwa 1 – 5 mm großen Warzen mit der typischen, zentral gelegenen Delle auf. Durch seitlichen Druck oder Kratzen entleert sich der fettige Inhalt, der infektiöse Viren enthält. Durch unachtsames Aufkratzen der Warzen können sich diese großflächig auf der Haut ausbreiten.
Die Behandlung erfolgt in der Regel zunächst durch chirurgische Abtragung und Desinfektion des Warzengrundes. Die lokale Anwendung von 5 %iger Kaliumhydroxid-Lösung ist ebenfalls möglich, bei hartnäckigen Fällen kann Imiquimod als Creme lokal angewendet werden, diese Behandlung ist aber relativ teuer.
Bei ansonsten gesunden Patienten ohne Immunschwäche ist die Krankheit in der Regel selbstlimitierend und heilt nach etwa 6 – 18 Monaten spontan aus.