Medizinisches Spektrum Urologische Klinik München-Planegg

Was ist eine radikale Prostatakrebsoperation (radikale Prostatovesikulektomie)?

Bei dieser Operation werden die Prostata, die Samenblasen und die Beckenlymphknoten entfernt. Diese Operation kann entweder offen über einen Bauchschnitt (abdominal, retropubisch) oder über einen Dammschnitt (perineal) erfolgen. An unserer Klinik erfolgt die offene OP über den retropubischen Zugang; dieser OP-Zugang hat sich hier international als Standard etabliert. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose.

Alternativ kann die Operation auch minimalinvasiv durchgeführt werden. Dabei wurde die klassische „Schlüssellochtechnik“ (= Laparoskopie) inzwischen von der roboter-assistierten Operation abgelöst. Die robotisch-assistierte Prostataentfernung nach dem da Vinci®-System wird an unserem Haus routinemäßig alternativ zur offenen OP angeboten.

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Alle operierten Patienten haben nach der Operation für etwa 6 - 8 Tage einen Blasenkatheter, damit die Harnröhre in Ruhe abheilen kann. Der gesamte stationäre Aufenthalt beträgt im Schnitt 10 Tage.

In vielen Fällen können die Nerven und Gefäße, die für die Erektion notwendig sind, erhalten werden. Bei weit fortgeschrittenen Tumoren müssen diese aber unter Umständen entfernt werden, um keine Reste des Tumors im Körper zurück zu lassen. Wenn es aus onkologischer Sicht vertretbar ist, versuchen wir immer, die Erektionsnerven zu schonen. An unserer Klinik führen wir die radikale Prostataektomie ca. 150 mal pro Jahr durch. Ob und welches Operationsverfahren im Einzelfall am geeignetsten ist, besprechen wir mit Ihnen in einem ausführlichen persönlichen Gespräch.

Welche Risiken bringt die radikale Prostataoperation mit sich?

Wie jede andere Operation auch hat die radikale Prostataentfernung potentielle Nebenwirkungen und Risiken. Durch eine sorgfältige Operationsvorbereitung und Durchführung lassen sich diese allerdings stark minimieren. Sie werden in jedem Fall von einem Arzt rechtzeitig und genau über den Eingriff aufgeklärt.

Mögliche Komplikationen sind stärkere Blutungen während oder nach der Operation mit einer evtl. Gabe von Blutkonserven, Wundinfektion, Fieber, Verletzung benachbarter Organe oder Organsysteme, Narbenbildung im Bereich der Harnröhren-Blasennahtstelle mit nachfolgender Abschwächung des Harnstrahls.

Unmittelbar nach der Operation besteht noch für einige Tage/Wochen ein starker Harndrang mit zum Teil unwillkürlichem Urinverlust, welcher sich jedoch in der Regel medikamentös gut behandeln lässt.

Eine komplette Harninkontinenz (permanenter, unwillkürlicher Urinabgang auch bei leichter körperlicher Aktivität) tritt dagegen sehr viel seltener auf und kann ggf. in einem kleinen Zweiteingriff operativ beseitigt werden: In leichten Fällen genügt eine Unterspritzung des Harnröhrenschließmuskels mit Kollagen. In schweren Fällen muss ein künstlicher Harnröhrenschließmuskel eingesetzt werden. Eine schwere, behandlungsbedürftige Inkontinenz tritt allerdings nur bei ca. 1 % der operierten Patienten auf.

Eine Zeugungsunfähigkeit tritt hingegen in jedem Fall ein, da neben der Prostata auch die Samenblasen entfernt und die Samenleiter beidseits durchtrennt werden müssen.

Trotz Schonung der Gefäßnervenbahnen für die Erektion kann es vorübergehend oder dauerhaft zu einer eingeschränkten Erektionsfähigkeit oder zu einem kompletten Erektionsverlust kommen. Diese können jedoch sehr gut medikamentös behandelt werden.

Durch die Entfernung der Lymphknoten kann es zu einer Ansammlung von Lymphflüssigkeit im Unterbauch kommen. Dies macht nur selten Beschwerden. Falls es in seltenen Fällen zu einer einseitigen Beinschwellung kommt, muss umgehend ein Blutgerinnsel in den Beinvenen (Thrombose) ausgeschlossen werden. Sollte sich eine Thrombose bestätigen, muss diese unverzüglich behandelt werden.

Manchmal, vor allem bei lokal fortgeschrittenen und aggressiveren Prostatatumoren, kann nach der Operation eine zusätzliche Nachbestrahlung oder eine medikamentöse Behandlung erforderlich sein, um das Wiederauftreten des Prostatakrebses zu verhindern.