Medizinisches Spektrum Urologische Klinik München-Planegg

Sonstige Arten der Inkontinenz

Inkontinenz bei chronischer Harnretention (Überlaufinkontinenz)

Bei einer chronisch übervollen Blase kommt es bei einem Druckanstieg über den Harnröhrendruck zum ständigen Abgang geringer Urinmengen.

Jede Form der Blasenentleerungsbehinderung durch anatomische Engstellen kann unbehandelt zu einer Überlaufinkontinenz führen. Neben angeborenen Engen wie Harnröhrenklappen spielen die vielen erworbenen Engen die größere Rolle. Hierzu gehören das Prostataadenom, die Blasenhalsenge, die Harnröhrenenge und der Prostatakrebs.

Wie wird eine Überlaufinkontinenz behandelt?

Als Erstmaßnahme wird ein Blasenkatheter eingelegt. Daraufhin erfolgt eine sorgfältige Abklärung der Ursache.

Entscheidend ist die rechtzeitige operative Beseitigung der mechanischen Entleerungsbehinderung. Eine Überlaufinkontinenz sollte möglichst vermieden werden. Ist sie einmal eingetreten, so besteht oftmals eine erhebliche strukturelle und funktionelle Schädigung des unteren und oft auch des oberen Harntraktes (z.B. Harnstauungsnieren). Nicht alle Veränderungen sind reversibel. Eine Instabilität des Blasenentleerungsmuskels mit wiederum auftretender Dranginkontinenz kann längere Zeit bestehen bleiben.

Extraurethrale Inkontinenz

Darunter versteht man einen ständigen Urinverlust außerhalb der Harnröhre durch Fisteln oder einen untypisch mündenden Harnleiter (z.B. in die Scheide).

Diese Form der Inkontinenz ist relativ selten und wird in der Regel bereits im Kindesalter bzw. unmittelbar nach einer Operation im kleinen Becken festgestellt.

Hier kann nur die operative Beseitigung der Anomalie oder Fistel zu einer Heilung führen.

Nächtliches kindliches Einnässen (Enuresis nocturna)

Das nächtliche kindliche Einnässen wird als medizinische Störung betrachtet, wenn es nach dem 5. Lebensjahr mindestens 1 x pro Monat an über eine Dauer von mindestens 3 Monaten auftritt.

Die Ursache ist nicht völlig geklärt, es werden unter anderem genetische Faktoren, eine Reifungsverzögerung entsprechender Hirnregionen, die die Kontinenz steuern, oder Störungen der Bildung des sogenannten „antidiuretischen Hormons“ (ADH) diskutiert.

Als Therapie kommen dabei insbesondere die Verhaltenstherapie und die Gabe von Medikamenten (insbesondere Medikamente, die das „ADH“ ersetzen) in Frage.

Sehr häufig kommt es mit zunehmendem Alter der Kinder aber ohnehin zu einer Besserung bzw. Ausheilung. Bei einer Spontanheilungsrate von 15 % pro Jahr bis zur Pubertät sind bei den 5-jährigen noch 15 - 20 % der Kinder betroffen, bei den 10-jährigen noch etwa 5 % und zu Beginn der Pubertät schließlich nur noch weniger als 2 %.