Medizinisches Spektrum Urologische Klinik München-Planegg

Lageanomalie des Hodens (Maldeszensus testis)

Darunter versteht man einen Hoden, der sich nicht an seiner natürlichen Position, also im Hodensack, befindet.

Grundlagen der Lageanomalie des Hodens

Der Hoden entsteht bei der vorgeburtlichen Entwicklung im Bereich der Nieren, also im hinteren Bauchraum. Mit zunehmender Entwicklung des Embryos macht sich der Hoden auf den Weg zu seiner späteren Position, er „wandert“ durch den Leistenkanal hinab in den Hodensack. Dabei kann es durch ein „fehlerhaftes Absinken“ (lat. „Maldeszensus“) zu abnormalen Positionen kommen. Ist es unklar, wo der Hoden liegt, spricht man von einem sogenannten „Kryptorchismus“.

Häufigkeit und Ursachen

Etwa 3 % aller reifen neugeborenen Jungen haben eine Lageanomalie des oder der Hoden. Ein beidseitiges Auftreten ist selten und kommt in < 2 % der Fälle vor.
Der Deszensus der Hoden ist ein komplexer und fehleranfälliger Vorgang. Hormonelle Störungen, genetische Syndrome, niedriges Geburtsgewicht und Frühgeburtlichkeit stellen Risikofaktoren dar, aber auch chemische Substanzen wie Bisphenole und Phtalate stehen im Verdacht, dabei eine Rolle zu spielen.

Einteilung

  • Bauchhoden: Der Hoden liegt innerhalb der Bauchhöhle.
  • Leistenhoden: Der Hoden liegt im Bereich des Leistenkanals und ist dort tastbar, kann aber auch durch Zug nicht in den Hodensack verschoben werden.
  • Gleithoden: Eine Sonderform des Leistenhodens, bei dem der Hoden durch Zug in den Hodensack verschoben werden kann, nach dem Loslassen aber sofort wieder spontan in die ursprüngliche Position zurückgleitet.
  • Pendelhoden: Der Hoden wechselt seine Position und ist zeitweilig im Leistenbereich tastbar, liegt aber meistens im Hodensack. Die Ursache ist ein besonders kräftiger und „überaktiver“ Hodenheber-Muskel (sogenannter „Musculus Kremaster“). Der Pendelhoden stellt eine Normvariante dar und ist nicht behandlungsbedürftig.
  • Hodenektopie: Der Hoden liegt an einer Stelle außerhalb („ektop“) des normalen Weges, beispielsweise im Bereich der Oberschenkelinnenseite. Diese Form der Fehllage ist sehr selten

Folgen eines Maldeszensus testis

Unfruchtbarkeit: Durch die unphysiologische Lage und die damit verbundene erhöhte Temperatur im Hoden kann es zu einer Unfruchtbarkeit kommen

Erhöhtes Risiko für Hodentumore: Bei einem Maldeszenus testis ist das Risiko für die Entstehung eines Hodenkrebses ca. 10 – 20-fach höher als in der gesunden Restbevölkerung. Auch nach einer Behandlung bleibt das erhöhte Risiko bestehen; der Hoden lässt sich allerdings wesentlich besser untersuchen und ein Tumor daher früher entdecken.

Behandlung eines Maldeszensus testis

Ziel der Behandlung ist die Erhaltung der Hodenfunktion. Da diese Erkrankung im Zeitraum nach der Geburt eine hohe Spontanheilungsrate hat, wird empfohlen, mit einer Therapie erst nach etwa 2 - 3 Monaten zu beginnen. Die Behandlung sollte spätestens nach Beendigung des 1. Lebensjahres abgeschlossen werden.

Als Behandlungsoptionen steht zum einen eine medikamentöse Behandlung mit Hormonen zur Verfügung, zum anderen kann der Hoden operativ in den Hodensack verlagert und dort fixiert werden. Ob eine medikamentöse Therapie vor einer Operation sinnvoll ist, muss anhand der Lage des Hodens und der übrigen Voraussetzungen individuell entschieden werden.