Medizinisches Spektrum Urologische Klinik München-Planegg

PSA

Die Abkürzung PSA steht für „Prostata-spezifisches-Antigen“. Es handelt sich um ein spezielles Eiweiß (Enzym), das von der Prostata produziert und von dort in die Samenflüssigkeit abgegeben wird. Dadurch wird das Ejakulat verdünnt, was den Spermien eine höhere Beweglichkeit ermöglicht. Natürlicherweise gelangen ständig sehr geringe Mengen PSA in das Blut des Mannes.

Gemessen wird der PSA-Wert in Nanogramm pro Milliliter Blut (ng/ml). Durch die Messung des PSA-Werts kann überprüft werden, ob sich der Wert innerhalb des Normbereichs befindet oder ob er erhöht ist. Eine Erhöhung kann viele Ursachen haben, unter anderem eine Entzündung, eine gutartige Vergrößerung, eine kürzlich durchgeführte Operation an der Prostata oder aber auch ein Prostatakrebs. Ein erhöhter PSA-Wert ist somit nicht gleichbedeutend mit einem Prostatakrebs, er weist vielmehr lediglich auf eine Unregelmäßigkeit an der Prostata hin.

Warum einen PSA-Test machen?

Neben der reinen Vorsorgeuntersuchung bzw. Früherkennung bei Männern empfiehlt der Urologe häufig dann einen PSA-Test an, wenn:

  • ein konkreter Verdacht auf einen Prostatakrebs besteht,
  • Beschwerden, wie bspw. Probleme beim Wasserlassen oder andere Symptome auftreten, die durch Prostatakrebs verursacht werden könnten oder
  • eine regelmäßige Verlaufskontrolle und Nachsorgeuntersuchung notwendig ist.

PSA-Test – Gründe für erhöhte PSA-Werte

Prostatakrebs muss nicht immer der Grund für erhöhte Werte im Rahmen eines PSA-Tests sein. Erhöhte PSA-Werte lassen sich auch bei einer entzündeten (Prostatitis) oder gutartig vergrößerten Prostata (Prostatahyperplasie) feststellen. Auch Druck auf die Prostata, wie es beim Fahrradfahren oder nach einem Samenerguss der Fall ist, kann den PSA-Wert ansteigen lassen. Aus diesem Grund sollten etwaige Tast- oder Ultraschalluntersuchungen auch unbedingt nach der Blutentnahme für den PSA-Test stattfinden.

Auch andere Reizungen oder Veränderungen im Bereich der Prostata, wie eine ausgeprägte Verstopfung, eine Prostatamassage, eine akute Harnsperre, ein liegender Harnblasenkatheter, eine zuvor durchgeführte Harnröhren-Blasenspiegelung (Urethrozystoskopie), eine Darmspiegelung (Koloskopie) oder auch eine Probeentnahme der Prostata (Biopsie) können den PSA-Wert ansteigen lassen.

Ist nach einem auffälligen PSA-Test immer eine Biopsie erforderlich?

Es liegen verschiedene ärztliche Aussagen darüber vor, ab welchem PSA-Wert eines Mannes eine Biopsie (= Gewebeentnahme) zur exakten Diagnose herangezogen werden soll. Aus diesem Grund hat sich die Deutsche Fachärzte-Organisation auf folgende Parameter für die Veranlassung einer Gewebeentnahme geeinigt:

  • Der PSA-Wert liegt über 4 Nanogramm pro Milliliter Blut (ng/ml) und eine zweite Messung bestätigt diesen Wert.
  • der PSA-Wert steigt im Laufe mehrerer Messungen stetig an.

In diesem Fall spricht Ihr Urologe das weitere Vorgehen mit Ihnen ab und zeigt Ihnen auch den Ablauf sowie mögliche Konsequenzen einer solchen Biopsie auf.

Warum wird der PSA-Wert in der Presse so kontrovers diskutiert?

Es gibt mehrere große Studien, die den Nutzen des PSA-Wertes im Rahmen der Früherkennung untersucht haben. Eine amerikanische Studie (PLCO-Trial) hat keinen zusätzlichen Nutzen für die Verwendung des PSA-Wertes zur Früherkennung nachweisen können. Bei der genaueren Betrachtung der Studie stellte sich allerdings heraus, dass hier schwere methodische Fehler gemacht wurden: Unter anderem wurden bei den meisten Männern im Kontrollarm (also die Gruppe, bei der keine PSA-Messung erfolgen sollte) ebenfalls ein PSA-Wert gemessen. Es wurde also letztlich ein Vergleich zwischen zwei nahezu identischen Gruppen durchgeführt. Dies wurde inzwischen sogar von den Autoren der Studie eingeräumt.

Eine große europäische Studie (ERSPC-Trial) konnte hingegen einen Nutzen nachweisen: Nach 13 Jahren Nachbeobachtung konnte die krebsspezifische Sterberate bei Männern mit PSA-basierter Früherkennung um 21 % gesenkt werden. Eine absolute Senkung der Sterberate konnte bislang allerdings (noch) nicht nachgewiesen werden. Da das Prostatakarzinom im Vergleich zu anderen Tumoren häufig relativ langsam wächst, wird erwartet, dass sich entsprechende Effekte erst nach 20 Jahren der Nachbeobachtung zeigen. Eine endgültige Bewertung hinsichtlich des Nutzens des PSA-Wertes kann zum jetzigen Zeitpunkt somit noch nicht getroffen werden kann.

Aufgrund dieser auf den ersten Blick widersprüchlichen Ergebnisse und der sicher auch nicht ganz einfach zu verstehenden statistischen Effekte wird der Nutzen des PSA-Wertes häufig kontrovers diskutiert.
Deshalb ist es auch wichtig, sich an einen Fachmann zu wenden, der die Werte zu interpretieren weiß und der seine Patienten kompetent beraten kann.