Medizinisches Spektrum Urologische Klinik München-Planegg

Infertilität: Störungen der Zeugungsfähigkeit des Mannes

Derzeit bleibt jede 6. Ehe in Deutschland ungewollt kinderlos, in etwa 40 % ist die Ursache beim Mann zu suchen. Wenn sich nach einem Jahr trotz regelmäßigem, zyklusgerechten Geschlechtsverkehrs keine Schwangerschaft einstellt, sollte unbedingt neben der gynäkologischen Untersuchung der Frau auch eine urologische Abklärung des Mannes erfolgen.

Was sind die Ursachen?

  • Idiopathische Fertilitätsstörung (d.h. unerfüllter Kinderwunsch, bei der eine eingehende Untersuchung keine Ursache findet; entspricht mit 30 % der häufigsten Ursache der männlichen Infertilität)
  • Entzündungen der Hoden, v.a. eine Mumpserkrankung im Kindesalter oder eine Nebenhodenentzündung
  • Angeborene Störungen oder Fehlbildungen im Bereich des Hodens oder der Samenwege
  • Genetische Störungen
  • Störungen im Bereich des Blutgefäßsystems (Varikozele/Krampfader des Hodens)
  • Hormonelle Störungen
  • Störung der Ejakulation (medikamentös, postoperativ, neurogen bedingt nach Querschnittslähmung u.a.)
  • Exogene Faktoren (z.B. Genussgifte und Arzneimittel, Umwelteinflüsse, radiologische Bestrahlung, Infekte, Stress)
  • Systemerkrankungen (Leberzirrhose, Nierenerkrankungen, Mukoviszidose u.a.)

Welche Untersuchungen sind erforderlich?

Nach der körperlichen Untersuchung und Bestimmung der Hormonwerte ist die Samenuntersuchung (Spermiogramm) Hauptbestandteil der Untersuchung. Aufgrund der großen Schwankungsbreite des Spermiogrammes sollte dieses mindestens zweimal durchgeführt werden. Eine Ultraschalluntersuchung der Hoden sollte routinemäßig und eine Dopplerultraschall­untersuchung bei Verdacht auf eine Krampfader fakultativ erfolgen. Diese Untersuchungen sind völlig schmerzfrei.

Wie kann geholfen werden?

In den meisten Fällen ist eine ursächliche Therapie der Fertilitätsstörung nicht möglich. Eine medikamentöse Therapie der Fertilitätsstörung ist nur bei entzündlicher Ursache sinnvoll. Eine Krampfader des Hodens („Varikozele“) sollte bei auffälligem Spermiogrammbefund und unerfülltem Kinderwunsch Fall behandelt werden.

Findet sich keine organische Ursache für die Unfruchtbarkeit, ist oft der schnellste und sicherste Weg zur Verwirklichung des Kinderwunsches die Einleitung einer künstlichen Befruchtung. Die Schwangerschaftrate beträgt dabei etwa 30 - 40 % pro Zyklus. Mit dieser Methode können auch Männer ohne Samenzellen im Samenerguss Väter werden, wenn Samenzellen durch eine kleine Operation direkt aus dem Hodengewebe gewonnen werden können. Diese können entweder aus dem Nebenhoden (MESA) oder direkt aus dem Hoden (TESE) mikrochirurgisch entnommen werden. In diesen Fällen ist eine enge Zusammenarbeit mit einem reproduktionsmedizinischen Zentrum dringend anzuraten. In diesen Zentren arbeiten Urologen, Gynäkologen und Genetiker Hand in Hand.