Medizinisches Spektrum Urologische Klinik München-Planegg

Hodenverdrehung (Hodentorsion)

Erklärung

Darunter versteht man die (in aller Regel spontan auftretende) Verdrehung des Hodens um den Samenstrang.

Häufigkeit und Ursachen einer Hodentorsion

Man schätzt, dass etwa 25 Fälle je 100.000 Einwohner pro Jahr auftreten. Als Ursache wird eine übermäßige Beweglichkeit des Hodens im Hodensack angesehen. Meist sind Kleinkinder oder junge Männer im Alter von 15 – 20 Jahren betroffen, prinzipiell kann die Erkrankung aber in jedem Alter auftreten.

Symptome und Folgen

Typisch ist ein akut einsetzender Schmerz, der häufig aus dem Schlaf heraus auftritt. Dieser kann von Erbrechen und Kreislaufproblemen begleitet werden.

Durch die Verdrehung wird der Hoden von der Blutzufuhr abgeschnitten. Unbehandelt stirbt der Hoden nach spätestens 8 Stunden ab, bei inkompletten Verdrehungen kann sich diese Zeit u. U. deutlich verlängern.

Die Diagnose wird anhand der Symptome und mittels Ultraschall (Durchblutungsmessung) gestellt.

Therapie einer Hodenverdrehung

Die Behandlung erfolgt mittels sofortiger, notfallmäßiger operativer Freilegung und Rückverdrehung des Hodens. Wenn der Hoden erhalten werden kann, so sollte er im Hodensack fixiert werden (sogenannte „Pexie“), um eine erneute Verdrehung zu vermeiden. Die Fixierung der Gegenseite wird in solchen Fällen in der Regel in der gleichen Operation mit vorgenommen, um auch hier einer späteren Verdrehung vorzubeugen.

Ist die Diagnose mittels körperlicher Untersuchung und Ultraschall nicht eindeutig zu stellen, so sollte immer eine operative Freilegung erfolgen, um keine Torsion zu übersehen!

Sonderfall: Hydatidentorsion

Dieses Krankheitsbild ist der klassischen Hodentorsion sehr ähnlich und kann von dieser häufig nicht unterschieden werden. Es handelt sich dabei um die Verdrehung von Anhangsgebilden des Hodens. Diese bläschenartigen Anhängsel der Hodenoberfläche kommen nicht bei allen Jungen bzw. Männern vor und stellen Überreste aus der Embryonalzeit dar. Wenn sie vorhanden sind, können sie sich um die eigene Achse verdrehen und entsprechende Symptome, ähnlich der Hodentorsion, hervorrufen.
Die Therapie ist auch hier die operative Freilegung des Hodens und dabei die Entfernung der verdrehten Hydatide.