Medizinisches Spektrum Urologische Klinik München-Planegg

Entzündungen von Hoden und Nebenhoden

Entzündung des Nebenhodens (Epididymitis)

Eine Nebenhodenentzündung ist eine akute oder chronische Entzündung des Nebenhodens. Zumeist wird eine akute Epidiymitis durch klassische uropathogene Keime (Darmkeime) ausgelöst. Seltener liegen der Erkrankungen Viren, Pilze, Parasiten oder nicht infektiöse Ursachen, wie z.B. Medikamente, Autoimmunreaktionen oder Unfälle zu Grunde. Von einer chronischen Entzündung spricht man, wenn die Beschwerden länger als 6 Wochen bestehen. Die typischen Beschwerden sind Schmerzen im Bereich des Hodens bzw. des Hodensackes mit Schwellung, Rötung und teilweise Fieber. Symptome, wie bei einer Blasen-/Harnröhrenentzündung können vorliegen, sind aber nicht zwingend vorhanden.

Neben der körperlichen Untersuchung ist eine Urinuntersuchung sinnvoll, bleibt aber häufig ohne Keimnachweis. Im Urinsediment sind Entzündungszellen (Leukozyten) nachweisbar. In der Blutuntersuchung findet sich häufig eine Erhöhung der Entzündungszeichen. Bei Verdacht auf eine sexuell übertragbare Krankheit sollte zusätzlich ein Harnröhrenabstrich, wie bei der akuten Harnröhrenentzündung (Urethritis) genommen werden. Eine Ultraschalluntersuchung sollte zwingend erfolgen. Zumeist zeigt sich ein deutlich vergrößerter Nebenhoden, oftmals ist auch eine Wasseransammlung zwischen den Hodenhüllen (Hydrozele) nachweisbar. Der Hoden und Nebenhoden zeigen eine deutlich gesteigerte Durchblutung (Hyperperfusion). Eine Abszessbildung muss ausgeschlossen werden. Bei geringsten Verdacht auf eine Verdrehung (Hodentorsion) oder einen Hodentumor muss eine operative Freilegung des Hodens erfolgen. Bei einer Torsion bleibt nur ein kurzes Zeitfenster in dem diese ohne Dauerfolgen bleibt.

Die Therapie erfolgt hauptsächlich durch Antibiotikagabe. Unterstützend erfolgt eine symptomatische Therapie mit Bettruhe, Hochlagern des Hodens, Kühlen und entzündungshemmender Therapie. Bei starken Schmerzen ist das Einspritzen eines lokalen Betäubungsmittels (Lokalanästhetikum) in den Samenstrang möglich. Gelegentlich ist eine stationäre Behandlung mit Infusionstherapie und intravenöser Antibiotikagabe notwendig. Bei zu später antibiotischer Therapie oder Therapieversagen kann die operative Entfernung des Hodens notwendig sein.
Im Anschluss an eine akute Entzündung der Nebenhoden sollte die urologische Abklärung zum Ausschluss einer Blasenentleerungsstörung als Ursache für die Erkrankung erfolgen.

Entzündung des Hodens (Orchitis)

Bei schweren Verläufen einer Nebenhodenentzündung kann die Infektion auf den Hoden übergreifen, man spricht dann von einer sogenannte Epididymorchitis.
Eine isolierte Entzündung bzw. Infektion des Hodens ist eine Seltenheit und tritt hierzulande am häufigsten im Rahmen einer Virusinfektion auf. Am häufigsten ist dabei die Mumps-Infektion bei nicht geimpften Patienten oder Impf-Versagern. Das Mumps-Virus befällt primär die Ohrspeicheldrüsen und führt zur typischen Schwellung um die Backen. In 20 – 25 % der Fälle sind bei männlichen Patienten die Hoden mitbeteiligt, was wiederum in 10 – 15 % der Fälle zu Störungen der Fruchtbarkeit (bis hin zur Unfruchtbarkeit) führen kann.