Medizinisches Spektrum Urologische Klinik München-Planegg

Krampfaderbruch (Varikozele testis)

Erklärung

Der Hoden und der Samenstrang sind von einem Venengeflecht, dem sogenannte „Plexus pampiniformis“ umgeben. Kommt es zu einer vermehrten Blutfülle dieses Venengeflechts, so spricht man von einem „Krampfaderbruch“.

Häufigkeit und Ursachen eines Krampfaderbruchs

Etwa 5 – 10 % der erwachsenen Männer haben eine Varikozele. Aufgrund der anatomischen Besonderheiten (s.u.) tritt sie zu 90 % auf der linken Seite auf.

Bei der primären, also ohne sonstige Ursachen entstandene Varikozele liegt die Ursache in den anatomischen Besonderheiten der Gefäßversorgung der Hoden.
Der venöse Abfluss der Hoden erfolgt zum größten Teil über die Hodenvenen, welche durch den hinteren Bauchraum führen. Rechts mündet die Hodenvene in spitzem Winkel direkt in die große Hohlvene ein, die zum Herzen führt. Links mündet die Hodenvene in die Nierenvene, welche wiederum das Blut in die große Hohlvene befördert.
Der Einmündungswinkel in die linke Nierenvene ist relativ stumpf (nahezu 90°), so dass es hier häufiger zu Defekten der Venenklappen kommt.
Venenklappen kommen überall im venösen Kreislauf des Körpers vor. Sie wirken wie Ventile und sorgen dafür, dass das venöse Blut trotz des niedrigen Drucks im venösen Kreislauf Richtung Herzen fließt. Funktionieren die Klappen nicht mehr richtig, so kommt es zu einem Rückfluss bzw. einem Stau von venösem Blut, im Falle der linken Hodenvene im Venengeflecht um den Samenstrang.

Kommt es durch Abflussbehinderungen, z.B. durch Tumoren, zu einem venösen Stau, so spricht man von einer sekundären Varikozele. Diese ist viel seltener als die primäre Varikozele und kann auch rechtsseitig vorkommen.

Symptome und Folgen eines Krampfaderbruchs

Die Varikozele wird in verschiedene Schweregrade eingeteilt:

  • Grad I: Nur unter Druckerhöhung (z.B. Pressen) tastbar, im Stehen nicht sichtbar
  • Grad II: Im Stehen (ohne Pressen) tastbar, aber nicht sichtbar
  • Grad III: Unter Ruhebedingungen im Stehen tastbar und sichtbar

Eine geringgradige Varikozele ist meist symptomlos. Bei ausgeprägteren Befunden kann es zu diffusen Schmerzen und einer Schwellung um den Hoden kommen.
Der Blutstau begünstigt eine Temperaturerhöhung im Hodenbereich, was sich wiederum negativ auf die Zeugungsfähigkeit auswirken und den Hoden schädigen kann.

Therapie eines Krampfaderbruchs

Symptomlose Varikozelen mit normalen Ergebnissen in der Spermaanalyse werden nicht behandelt. Sehr große, symptomatische Varikozelen sind dagegen ein klarer Grund für eine Therapie.
Bei unerfülltem Kinderwunsch hingegen sind die Empfehlungen uneinheitlich. Hier kann die Behandlung zwar dazu beitragen, die Ergebnisse des Spermiogramms zu verbessern; ob sich das allerdings positiv auf das Eintreten einer Schwangerschaft auswirkt, gilt als umstritten.

Als Therapien kommen offen-operative Verfahren wie die OP nach Bernardi oder Ivanissevisch in Frage. Dabei wird die Hodenvene unterbunden, das Blut fließt dann über Begleitkreisläufe in die Beckenvenen ab. Die Unterbindung der Hodenvene kann auch laparoskopisch erfolgen, zudem kann die Hodenvene mit einem speziellen Klebstoff, der am Hodensack in die Vene injiziert wird, verödet werden.