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Medizinisches Spektrum Urologische Klinik München-Planegg

Chronische Prostataent­zündung (chronische Prosta­titis) und
chronisches Becken­schmerz­syndrom (CPPS)

Das Beschwerdebild einer chronischen Prostatitis ist zwar nicht so eindrucksvoll wie das der akuten bakteriellen Prostatitis, dafür aber umso häufiger. Etwa 10 % der Männer erkranken mindestens einmal im Leben an einer Prostatitis, in mehr als 90 % der Fälle kann kein Erreger nachgewiesen werden.

Die verschiedenen Formen der chronischen Prostataentzündung bereiten dem Patienten oft diffuse, uncharakteristische Schmerzen im Bereich des Afters, Hodens, Dammes sowie der Harnblase. Hinzu kommen teilweise Brennen in der Harnröhre, Störungen beim Wasserlassen sowie im Sexualleben.

Der Nachweis der bakteriellen Form der chronischen Prostatitis erfolgt durch die sogenannte Vier-Gläser-Probe. Hier wird durch Massage der Prostatadrüse das Prostataexprimat (Prostataflüssigkeit) gewonnen. Bei bakterieller Besiedelung der Prostata lassen sich in diesem Prostataexprimat bzw. im Exprimaturin folglich signifikante Bakterien bzw. erhöhte Entzündungszellen nachweisen. Eine Rolle spielen hierbei nicht nur die gängigen uropathogenen Keime wie E. coli, Pseudomonas und Enterobakterien, sondern auch schwer kultivierbare Erreger wie Chlamydien, Mykoplasmen und Ureaplasmen.

Die Behandlung der chronischen bakteriellen Prostatitis erfolgt durch die ausreichend lange Gabe von Antibiotika über einen Zeitraum von mindestens 4 – 6 Wochen. Darüber hinaus können Medikamente zur Verbesserung des Harnstrahls oder antientzündliche Medikamente unterstützend eingesetzt werden. Bei nachgewiesenem reduziertem Harnfluss durch eine gutartige Prostatavergrößerung (BPH) kann eine Operation sinnvoll sein.

Da jedoch nur ca. 5 % der Patienten mit einer chronischen Prostatitis in der Vier-Gläser-Probe einen Nachweis von Bakterien liefern, liegt deutlich häufiger eine abakterielle chronische Prostatitis vor. Diese wird auch als chronisches Beckenschmerzsyndrom (CPPS / chronic pelvic pain syndrome) bezeichnet. Als mögliche Ursachen des CPPS werden folgende Gründe vermutet:

  • Infektion durch nicht kultivierbare Infektionserreger
  • Abakterielle Entzündungen durch Zurückfließen von Urin in die Prostatagänge
  • Autoimmunprozesse
  • Störung der Schutzschicht der Blasenschleimhaut („Männliche Form der interstitiellen Zystitis“)
  • Verspannungen des Beckenbodens
  • Psychosomatische Ursachen

Die Behandlung des CPPS umfasst die sogenannte Triple-A-Therapie:

  • Antibiotika: Einmaliger Therapieversuch über max. 6 Wochen (da eine nicht nachweisbare Infektion eine mögliche Ursache darstellt) → 40 % der Fälle zeigen eine Besserung
  • Alphablocker: Zur Verbesserung des Harnflusses über mind. 6 Wochen
  • Antiphlogistika: Zur Bekämpfung der Entzündung und der Schmerzen

Weitere Möglichkeiten sind:

  • Pentosanpolysulfat
  • Phytotherapie (pflanzliche Medikamente)
  • Akupunktur
  • Physikalische/physiotherapeutische Maßnahmen
  • Psychotherapie

Das CPPS zeigt auch ohne Therapie einen eher günstigen Krankheitsverlauf. Nach einem Jahr ohne Therapie zeigen 50 % der Patienten eine Besserung, 37 % einen stabilen Verlauf und 13 % Verschlechterung.