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Lokaltherapie in der Behandlung von oligometastasierten und oligoprogredienten Krebserkrankungen

Das Prostatakarzinom ist der häufigste maligne Tumor des Mannes. Bei fortgeschrittenem Tumorleiden kommt es neben der lymphogenen Metastasierung häufig zum Auftreten von Knochenmetastasen. Von der systemischen Metastasierung zu unterscheiden ist der Zustand der Oligometastasierung. Dies beschreibt einen Zwischenzustand im Verlauf des Tumorwachstums mit begrenzter Metastasierungsfähigkeit. Eine einheitliche Definition gibt es bislang noch nicht.
In der aktuellen S3-Leitlinie ist das oligometastasierte Prostatakarzinom als Tumor mit maximal vier in der konventionellen Bildgebung nachweisbaren Knochenmetastasen ohne Vorhandensein von extraossären viszeralen Metastasen beschrieben. Zu unterscheiden ist die synchrone Metastasierung (gleichzeitiges Auftreten von Primärtumor und Metastasen) von der metachronen Metastasierung (nachfolgendes Auftreten von Metastasen bei kontrolliertem Primärtumor). Das Ziel der Behandlung bei synchroner Metastasierung ist, die Bildung neuer Metastasen zu verzögern oder sogar zu verhindern. Dies gelingt durch eine gezielte Lokaltherapie im Anschluss an eine Systemtherapie. Bei der metachronen Metastasierung soll durch eine metastasenspezifische Lokaltherapie eine weitere Ausbreitung der Erkrankung möglichst verhindert werden. Bislang galt bei metastasiertem Prostatakarzinom eine systemische Therapie im Sinne einer Hormontherapie bzw. kombinierten Hormonchemotherapie als Therapie der Wahl.
Mögliche neue Therapieansätze sind zusätzlich sowohl die Anwendung einer Strahlentherapie als auch eine operative Therapie. Diesbezüglich gibt es derzeit zahlreiche laufende Studien, wobei endgültige Ergebnisse erst in den nächsten Jahren zu erwarten sind.
Bei der Strahlentherapie stehen dabei verschiedene Techniken zur Verfügung, wobei u.a. die Anwendung einer hypofraktionierten perkutanen Radiotherapie empfohlen wird. Bezüglich der operativen Therapie des oligometastasierten Prostatakarzinoms gibt es bislang kaum aussagekräftigen prospektiven Daten. Die Therapie sollte daher immer erst nach sorgfältiger Indikationsstellung (z.B. im Rahmen einer interdisziplinären Tumorkonferenz) und ggf. als multimodale Therapie erfolgen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das primäre Ziel der Lokaltherapie im oligometastasierten Stadium die Verzögerung einer systemischen Therapie und damit auch die Reduktion der damit verbundenen Nebenwirkungen ist. Bis zum Beweis des Gegenteils ist jedoch weiterhin davon auszugehen, dass eine metastasengerichtete Therapie eine systemische Therapie (Hormontherapie, Chemotherapie) nicht dauerhaft ersetzen kann. Es bleiben zahlreiche aktuell noch ausstehende Studienergebnisse abzuwarten.

Quellen:
 
Haussmann J, Matuschek C, Bölke E, Orth K, Ghadjar P, Budach W: The role of local treatment in oligometastatic and oligoprogressive cancer. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 849–56. DOI: 10.3238/arztebl.2019.0849
www.leitlinienprogramm-onkologie.de/.../LL_Prostatakarzinom_Langversion_6.0.pdf