Ein künstlicher Schließmuskel kommt dann infrage, wenn eine schwere Belastungsharninkontinenz vorliegt – z. B. nach radikaler Prostatektomie – und andere Behandlungsoptionen wie Beckenbodentraining oder suburethrale Bänder nicht ausreichend geholfen haben. Besonders geeignet ist das Verfahren bei Schließmuskelschwäche oder vorbestehender Bestrahlung.
Das System besteht aus einer Manschette um die Harnröhre, einer Bedienpumpe im Hodensack und einem Druckballon im Bauchraum. Im Alltag bleibt die Harnröhre durch die Manschette verschlossen. Zum Wasserlassen betätigt der Patient die Pumpe – die Manschette öffnet sich kurzzeitig und schließt sich danach automatisch wieder.
Ja, der künstliche Schließmuskel wird vollständig im Körper implantiert und bleibt dauerhaft dort. Die meisten Patienten berichten über eine langanhaltende Verbesserung der Kontinenz. Eine spätere Anpassung oder ein Austausch ist in seltenen Fällen möglich, z. B. bei mechanischen Defekten oder Materialermüdung.
Die Implantation erfolgt unter Vollnarkose und dauert etwa 60 bis 90 Minuten. Der stationäre Aufenthalt beträgt meist 3 Tage. Nach ca. 6 Wochen – wenn die Wundheilung abgeschlossen ist – wird das System aktiviert. Erst dann ist eine volle Nutzung möglich.
Wie bei jedem operativen Eingriff können Komplikationen auftreten – z. B. Infektionen, Blutergüsse oder technische Probleme. Solche Komplikationen sind jedoch selten und können in der Regel chirurgisch behandelt werden. Die Erfolgsrate und Patientenzufriedenheit mit dem AMS 800® sind sehr hoch.


